Anlauf, Richtung Sozialismus

Partei ergreifen – Mehr Rot für Österreich ■ Parteiengründungen verkommen meistens zum Selbstzweck für Wichtigtuer à la F. Stronach und P. otto_2Haselsteiner. Die Protagonisten von TS und NEOS agieren im Sinne ihrer Brötchengeber. Zusammen bilden die sechs österreichischen Parlamentsparteien ideologisch und politisch einen Einheitsbrei. Das ist das Fundament zur Aufrechterhaltung des kapitalisischen Systems und des Machterhalts der EU. Vor einem Jahr wurde die Partei der Arbeit (PdA) als linke Alternative gegründet.

Der UHUDLA befragte Otto Bruckner, den ersten am Wiener Gründungsparteitag gewählten Vorsitzenden der PdA über den politischen und gesellschaftlichen Werdegang der neuen Partei.
uhudla: Zuerst einmal –  Zuwos braucht Österreich die PdA?
Bruckner: Kurz und knapp: „Weil Banken und Konzerne eh schon genug Parteien und Lobbys haben, die für ihre Interessen arbeiten. Die Mehrheit der Bevölkerung aber, die wir unter dem Begriff Werktätige zusammenfassen, haben keine”.
Sie werden nach Strich und Faden verschaukelt. Deshalb haben wir gesagt: Es braucht eine Partei, die nur für die „Kleinen” da ist, und für sonst niemanden.

uhudla: Hat die PdA den Werktätigen und „Kleinen” ein Angebot gemacht und wie haben sie reagiert?
Bruckner: Im ersten Jahr haben wir natürlich nur einen Bruchteil der Leute erreicht. Die PdA kann sich auch keine großen Werbekampagnen leisten. Wir haben aber zum Beispiel die AK-Wahlkampagne von KOMintern unterstützt und diese bunte und kämpferische internationalistische Gewerkschafts-Liste ist jetzt mit Mandaten in der Wiener und niederösterreichischen AK vertreten. (In Tirol, Niederösterreich und Wien haben 5.252 WählerInnen zu den Arbeiterkammerwahlen ihre Stimme für KOMintern abgegeben. Anm. der Red.).
Die PdA will mit konkreter Arbeit und mit dem Einsatz ihrer Sympathisanten und Mitglieder überzeugen. Das heißt aber, dass die Partei für billiges Stimmensammeln ungeeignet ist und unser Weg kein kurzer sein kann.

„Weil Banken und Konzerne eh schon genug Parteien und Lobbys haben, die für ihre Interessen arbeiten. Die Mehrheit der Bevölkerung aber, die wir unter dem Begriff Werktätige zusammenfassen, haben keine”

uhudla: Dieses Jahr gibt´s Wahlen in Wien. Steht da was auf dem Programm?
Bruckner: Wo und in welchen Bezirken es in Wien eine Kandidatur geben wird, entscheidet sich im Lauf des Jahres, es wird aber auch so sein, dass wir erst einmal mit interessierten und engagierten Menschen sprechen wollen. Danach sollten unsere eigenen Kräfte eingeschätzt werden und erst dann die Kandidaturen festgelegt werden.

uhudla: Dass die PdA die Interessen der Arbeitenden vertritt, versteht sich. Aber wie verhält es sich mit den Interessen der Arbeitslosen, der Jugendlichen und Studenten, der Frauen, der prekär Beschäftigten, der Mini­jobber und all jenen, die durch das kapitalistische System, sagen wir mal, in ihrer Entwicklung und Entfaltung behindert werden?
Bruckner: All die Menschen, die da aufgezählt werden, stehen auf der selben Seite der Barrikade wie die Lohnabhängigen. Die Möglichkeit der freien Entfaltung jedes Einzelnen und jeder Einzelnen in einer solidarischen Gesellschaft muss erkämpft werden. Das verträgt sich nicht mit dem goldenen Kalb des Kapitalismus, der Jagd nach dem maximalen Profit.

uhudla: Was hat die PdA ideologisch oder besser theoretisch für Interessierte zu bieten?
Bruckner: Vor kurzem ist die erste Ausgabe unserer Theoriezeitschrift „Einheit und Widerspruch” erschienen. Durch das Vorwort ziehen sich wie ein roter Faden Zitate aus dem „Jalava-Lied” aus der Proletenpassion.
Dieses Lied handelt von Lenin, der, verkleidet als Heizer, 1917 die finnisch-russische Grenze überquert, um mit den Bolschewiki und den russischen Arbeitern und Bauern die Oktoberrevolution durchzuführen. „Und weil wir weiterkamen, und weil die Welt sich dreht, und weil mein Heizer von Flammen und Dampfkesseln was versteht!” heißt es da.

Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte, er geht mit seiner eigenen Überwindung schwanger. Schon Karl Marx sagte: „Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte”

Ideologisch Interessierte finden bei uns beides vor: Einheit im gemeinsamen Kampf und Widerspruch gegen die Welt, wie sie ist, gegen Dummheit und Ignoranz. Wir sind der Überzeugung, dass es einen neuen und erfolgreichen Anlauf zu einer sozialistischen Gesellschaft geben wird. Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte, er geht mit seiner eigenen Überwindung schwanger. Marx sagte: „Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte”. Wir wollen die Heizer sein, die die Lokomotive in Schwung bringen, und wir wollen alle klugen Leute einladen, das auch zu tun.
So gesehen sind wir kein Debattierklub im Sinne des zeitgeistigen „anything goes”, sondern gehen den Weg von Marx, Engels, Lenin und vielen anderen in der heutigen Welt weiter. Da gibt es noch viel zu erforschen und zu lernen, viel zu verwerfen und zu verankern, aber das können nur Leute tun, die sich den Kopf zerbrechen, ernsthaft bei der Sache sind, und zugleich gegen das tagtägliche Unrecht ankämpfen.

uhudla: Wie kommt die Partei diesbezüglich praktisch voran. Ist die PdA in ihrer einjährigen Entwicklung auf dem richtigen Kurs?
Bruckner: Es gibt PdA-Mitglieder in allen Bundesländern außer Vorarlberg. Organisatorische Strukturen, also Parteiorganisationen konnten bislang nur in Wien, Niederösterreich, Burgenland, Salzburg und Tirol geschaffen werden. Im großen und ganzen wird ein ernsthaftes Unterfangen wie unseres von den Medien weitgehend ignoriert, während für jeden reichen Clown und jeden neoliberalen Esoteriker sofort eine mediale Bühne geschaffen wird.
Das ist der Zeitgeist, der auch vor der „Linken” nicht halt macht: Die Unterscheidung der Politik der Wiener Grünen von jener der Grazer KPÖ ist nur in Nuancen wahrnehmbar. Der reformistische SPÖ-Flügel vertritt ganz Ähnliches. Wenn da eine neue Partei daherkommt, die Ecken und Kanten hat und nicht im Einheitsbrei der „Habet euch alle lieb”-Politik mitschwimmt, ist das suspekt.
Man kann auch sagen: Wir sind die, vor denen euch die Banken und Konzerne gewarnt haben, deshalb ist es ihnen wichtig, uns klein zu halten. Aber das soll nicht als Gejammere verstanden werden.
Wir werden schon wachsen, das zeigt allein unser Altersschnitt. Ich gehöre mit etwas über 50 zu den Alten in der PdA.

uhudla: International agiert und regiert der „Kapitalismus” wie nie zuvor. Gibt es weltweite Verbindungen im Kampf und im Widerstand gegen das kapitalistische Herrschaftssystem?
Bruckner: Die Kontakte und Verbindungen gibt es ja. Wir verstehen uns als Teil des weltweiten Gegenpols zu Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg. Konkret und systematisch entwickeln sich unsere Kontakte im Rahmen der europäischen KPs und Arbeiterparteien, die sich regelmässig treffen.
Wir sind aber zum Beispiel auch Teil der Solidaritätsbewegung für das kurdische Kobane, für die Menschen in Gaza, oder für das sozialistische Kuba.

uhudla: Hat sich die Gründung der PdA politisch „ausgezahlt”?
Bruckner: Die PdA Gründung hat sich in dem Sinne „ausgezahlt”, dass wir in Österreich eine Partei haben, die es in dieser Form, mit diesen Zielsetzungen und Inhalten noch nicht gab. Wir sind die Antwort auf das Gerede vom „Ende der Geschichte” und vom „Ende der Klassengesellschaft”.
Wir sind eine Klassenpartei für „die da unten” in einer zerklüfteten und zerissenen Gesellschaft, in der die sozialen Gegensätze schärfer werden. Ob wir damit erfolgreich sein werden, darüber wird die Geschichte entscheiden und auch ob die Menschen unser Angebot schätzen und uns unterstützen.

Mit Otto Bruckner hat
Martin Wachter gesprochen

Partei der Arbeit Österreichs …

… ist ein Zusammenschluss von Arbeiter­Innen, Angestellten, Schüler­­- Innen, Studierenden, kleinen Selbständigen, PensionistInnen und Arbeitslosen – von Menschen, die sich nicht damit abfinden, dass die Welt so ist, wie sie ist.
Die PdA ist für menschenwürdige Arbeits-, Wohn- und Lebensverhältnisse; für Löhne und Gehälter, von denen man ohne Ängste und Zwänge leben kann; für das Volkseigentum an großen Unternehmen und an der Grundversorgung; für demokratische Mit- und Selbstbestimmung am Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplatz; für die gezielte Besteuerung von großen Vermögen und Kapital; für ein staatlich gesichertes Pensions-, Gesundheits- und Bildungssystem; für den Austritt Österreichs aus der antidemokratischen, asozialen, militaristischen und imperialistischen EU; für Frieden, Demokratie, nationale Selbstbestimmung, Solidarität und sozialen Fortschritt; für die Überwindung des Kapitalismus und den Aufbau einer sozialistischen und klassenlosen Gesellschaft, wo jeder Mensch beiträgt, was er kann, und jeder bekommt, was er braucht.
Die PdA will und kann nicht statt den arbeitenden Menschen Politik machen, sondern muss dies gemeinsam mit ihnen tun. Jede gesellschaftliche und politische Kraft, jede Idee, jeder Standpunkt und jeder Kampf sind nur so stark, wie es Menschen gibt, die sich dafür einsetzen. Daher lautet der PdA Aufruf: Macht euch selbst stark, indem ihr für eure eigenen Interessen Partei ergreift! Für dieses gemeinsame Ziel ist die PdA ein Angebot.

www.parteiderarbeit.at

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