Musik ist nicht wertlos – Quo vadis, Musikstadt Wien?

Wiener Linien! So geht das nicht ■ Besonders wiff dürften die ManagerInnen des Stadt-Konzerns Wiener Linien in Erdberg nicht sein. Sie wollen von „oben” eine „Bettelkampagne” mitmusik-wien angesehenen MusikerInnen durchziehen. Genau dieselbe Konzernleitung hat bisher mit hohem finanziellen Aufwand und gut bezahltem „Sicherheitspersonal” „BettlerInnen” und StraßenmusikantInnen nach allen unerlaubtenn und gesetzlichen Möglichkeiten verfolgt und bestraft. Stadträtin Ulli Sima macht sich auch noch wichtig in dieser leidigen Kampagne.

Es regt sich Widerstand. KünstlerInnen haben eine Petition: „Musik ist nicht wertlos – Quo vadis, Musikstadt Wien” ? gestartet. Sie eröffnet die Möglichkeit solidarisch zu handeln und mit einer Unterstützung und Unterschrift gegen die absurde „Werbekampagne” aus dem Rathaus und in Erdberg zu protestieren.


Die UHUDLA Wiener Linien Watch unterstützt die Initiative Musik ist nicht wertlos, bei der als Ziel 7.100 UnterstützerInnen erforderlich sind, damit die Petition von SPÖ Stadträtin Ulli Sima in den entsprechenden Gremien behandeln werden muss.

Die SPÖ der Stadt hätte in Wien wahrlich genug zu tun, um die „Tschesn” Stadtverwaltung nicht an die Mauer zu fahren, bevor Bürgermeister Michael Häupl den Fahrersitz verlässt. Eines haben die Akteure im Rathaus und in Erdberg scheinbar vergessen, dass die Wiener Linien noch immer den SteuerzahlerInnen gehören. Es ist das Geld von uns allen, mit welchem die Stadt und die Konzernspitze der Öffentlichen Verkehrsbetreiber urasst. Siehe: Millionen für Zeitungsmüll auf Rädern

Musik ist nicht wertlos – Quo vadis, Musikstadt Wien?
der Petitionstext im Wortlaut

Straßenmusiker sollen in Stationen der Wiener U-Bahn ab Juli im Auftrag der Wiener Linien auftreten, um die gefühlte Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen. So wird es ganz offiziell kommuniziert, es geht nicht um eine Form von Kulturförderung, sondern um eine Maßnahme zur Hebung von Wohlbe- und Sicherheitsempfinden der Kundinnen und Kunden der Wiener Linien. Soweit eine gute Sache, in vielen anderen europäischen Städten ist Livemusik in U-Bahnhöfen ganz selbstverständlich, während dies in Wien bislang eine rechtliche Grauzone war.
Die genauen Konditionen sind hingegen gar keine gute Sache: in einem Casting sollen „die besten“ („..denn bei uns dürfen nur die Besten spielen…“) Kandidatinnen und Kandidaten ermittelt werden, die dann für die Wiener Linien in definierten Zeitfenstern auftreten dürfen. Sie erhalten dafür ein Honorar von EUR 0,- (null). Als ob es nicht unverschämt genug wäre, wenn ein Unternehmen eine Dienstleistung zum Nulltarif einfordert, sollen die glücklichen „Gewinner“ den Wiener Linien aber auch noch die Rechte an Name, Gesicht und Musik zur weiteren Verwendung überlassen, ebenfalls kostenlos. Die Wiener Linien erhalten also zusätzlich zur kostenlosen eigentlichen Dienstleistung auch den Werbewert – ohne jede Gegenleistung. Es wirkt wie eine Verhöhnung, dass erfolgreiche Bewerberinnen und Bewerber zudem eine „Bearbeitungsgebühr“ von symbolischen EUR 10,- zu entrichten haben. Weiters ist den Teilnahmebedingungen zu entnehmen, dass weder für die Unversehrtheit der Musikerinnen und Musiker, noch für deren Instrumente und Equipment Haftung übernommen wird. Mit dem Akzeptieren der AGB wird bestätigt, dass „keine Verwertungsrechte Dritter verletzt werden“ – Stichwort AKM. Zu guter Letzt stellen die Wiener Linien nichteinmal Strom zur Verfügung. (Alles hier nachzulesen: http://www.wienerlinien.at/media/files/2017/agbcastingformular_212121.pdf ) Den teilnehmenden Musikerinnen und Musikern ist es laut Teilnahmebedingungen gestattet, während ihrer Auftritte freiwillige Spenden zu sammeln, die sie dann auch tatsächlich behalten dürfen. Man darf also einen Hut auf den Boden stellen und hoffen, dass Passanten auf dem Weg zur U-Bahn ihr Kleingeld loswerden wollen…
Diese Bedingungen sind einerseits schlichtweg inakzeptabel, andererseits aber auch eine dreiste Verhöhnung der Musikerinnen und Musiker dieser Stadt. Ich fordere Frau Sima auf, sich klar von diesem ausbeuterischen Konzept zu distanzieren und umgehend für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen. Ebenso fordere ich den Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny zu einer Stellungnahme auf – diese Angelegenheit berührt unzweifelhaft sein Ressort.
Begründung:
Freiberufler tragen generell ein hohes wirtschaftliches Risiko. Ihre berufliche Ausbildung ist lang, aufwendig und mitunter mit hohen Kosten verbunden. Sie finanzieren ihr Arbeitsgerät selbst und müssen auch für dessen Erhalt und Ausbau selber aufkommen. Gegen Verdienstentgang durch Krankheit o.ä. können sie sich kaum absichern.
Für professionelle Musikerinnen und Musiker gilt alles genannte in gesteigertem Ausmaß. Es ist besondere Begabung nötig, um eine solche Laufbahn überhaupt einschlagen zu können. Dennoch dauert die Ausbildung eher Jahrzehnte als Jahre und ist entsprechend kostspielig. Die Investitionen in Instrumente und Equipment bewegen sich im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Extremes Lohndumping und Zahlungsausfälle liegen an der Tagesordnung. Menschen wollen zwar permanent durch Musik unterhalten und durchs Leben begleitet werden, sind aber immer weniger dazu bereit, dies auch zu honorieren. Musikschaffende werden mit den absurdesten Begründungsversuchen konfrontiert, warum sie für ihre Arbeit nicht normal bezahlt werden sollten – müssen ihre eigenen Rechnungen aber trotzdem fristgerecht begleichen, wie jedermann und jederfrau.
In anderen freien Berufen wäre soetwas undenkbar, wer würde je auf die Idee kommen, Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Architekten gegen „freiwillige Spende“ und „vielleicht ergibt sich daraus ja in Zukunft bezahlte Arbeit“ beschäftigen zu wollen? Ein lächerlicher Gedanke, nicht wahr? Musikschaffende müssen für ihre Arbeit bezahlt werden, wie alle anderen Berufsgruppen auch.
Mit dieser Petition möchte ich ein Zeichen setzen: für Gerechtigkeit, für Respekt, für die Anerkennung eines realen Problems. Ich hoffe, damit nicht nur Musikerinnen und Musiker zu erreichen, sondern Menschen, die Musik lieben und den Zusammenhang zwischen Musikschaffenden und Musik verstehen.
Im Namen aller Unterzeichner/innen.
Wien, 06.05.2017 (aktiv bis 05.07.2017)

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Ein Gedanke zu “Musik ist nicht wertlos – Quo vadis, Musikstadt Wien?

  1. Darf dann der Ubahn-Nutzer dann zukünftig auch seine Boxen mitnehmen und die Ubahn, die Haltestellen usw. beschallen? Am besten jeder Ubahn-Nutzer kündigt das als DEMO an. Man wird eh schon jeden Tag mit Musik von Jungendjunckies in der Ubahn beglückt, da wären solche Lärm-Beschallungen von Musikern nur das i-Tüpfelchen. Wenn ihr echte Musiker seid, dann bleibt auf der Straße oder in Konzertsälen. In der Ubahn wollen die Leute ihre Ruhe haben. Da können sie nicht der Musik entfliehen. Da würde Musik dann zwangskonsumiert werden.

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