Nicht einmal einen Euro für Gesundheit

Kleine ZeitungNur 86 Cent pro Kopf und Nase in Graz ■ Robert Krotzer, der Gesundheitsstadtrat in der steirischen Murmetropole kommt in der „Kleinen Zeitung” zu Wort. Er wendet sich gegen den Sparkurs der schwarz-blauen Stadtregierung auf Kosten der Gesundheit der Grazer Bevölkerung.
Der UHUDLA veröffentlicht eine Stellungnahme von Robert Krotzer

Robert Krotzer zeigt auf, dass die Rücklagen, die das – gut geführte und sparsam arbeitende – Gesundheitsamt der Stadt über Jahre aufgebaut hat, aufgebraucht sind. Über einige Jahre hindurch wurden, lange vor seiner Amtszeit, bei gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen zu Unrecht Gebühren eingehoben. Die Einnahmen sind damals ins Budget der Stadt Graz geflossen. Später mussten sie zurückgezahlt werden.


„Das ist richtig so”, stellt der der Gesundheitsstadtrat fest. Das Problem dabei: Die Rückzahlungen mussten aus den Rücklagen des Gesundheitsamts bestritten werden. Das rüht nicht zuletzt daher, dass das Amt seit vielen Jahren immer von StadträtInnen geführt worden ist, die keiner der regierenden Koalitionsparteien angehörten und das Gesundheitsamt dabei finanziell oft übergangen wurde.

Wäre das Guthaben auf dem Rücklagen-Sparbuch nicht aufgebraucht, könnte die Impfstelle in Graz so umgebaut werden, dass sie baulich allen Anforderungen entspricht. Die größte Herausforderung ist es, die gesundheitspolitische Nischen abzudecken. Das passiert über Subventionen. 280.000 Euro für das laufende Jahr stehen dazu bereit – eine Summe, die sich seit Jahren nicht geändert hat.
Pro Einwohner gerechnet, wendet die Stadt Graz also etwa 86 Cent für die Gesundheitsförderung auf. Ohne Einrichtungen wie OMEGA-Transkulturelles Zentrum für psychische und physische Gesundheit und Integration, der Marienambulanz, dem Frauengesundheitszentrum, der Aidshilfe hätte das Gesundheitssystem in Graz große Lücken, die sich auch auf die Gesundheit derer auswirken würde, die auf diese Einrichtungen nicht angewiesen sind.

Der größte Posten der finanziellen Zuwendungen durch die Stadt bekommt die I.K.A, das ist die Interdisziplinäre Kontakt- & Anlaufstelle für medizinische und psychosoziale Suchtkrankenversorgung in der Papiermühlgasse. Diese Institution betreut etwa ein Drittel, der im Substitutionsprogramm befindlichen Grazer. Sie erhält eine finanzielle Unterstützung von 100.000 Euro im Jahr. Weil sich die Subventionen seit Jahren nicht ändern, und aufgrund der Inflation und steigenden Gehälter für die Beschäftigten dieser Vereine, bedeutet das eine faktische Kürzung der Finanzmittel.

Robert Krotzer: „Wir werden uns dafür stark machen, dass die Stadt mindestens einen Euro pro Einwohner für Gesundheitsvorsorge zur Verfügung stellt”.

Was ist für den engagierten Stadtrat in den kommenden Jahren die dringlichste Aufgabe, lautet die Frage. Robert Krotzer will im Bereich der psychischen Gesundheit Angebote schaffen und die Vereine, die da tätig sind, besser finanziell auszustatten. Auf dem Gebiet der Schulpsychologie herrscht großer Aufholbedarf und generell bräuchte es mehr Aufklärung und Beratung, um psychisch kranke Menschen zu entstigmatisieren.
Landläufig wird immer noch die Auffassung vertreten, dass nur der krank ist, der Fieber hat. Psychische Erkrankungen werden oft nicht ernst genommen. Suchtprävention, Essstörungen sind Felder, in denen mehr getan werden könnte. Auf all das will der Gesundheitsstadtrat von der KPÖ bei den kommenden Budgetverhandlungen hinweisen und darauf drängen, dass die Gesundheit aller Grazerinnen und Grazer wichtiger ist, als parteipolitisches Geplänkel.

Robert Krotzer: „Wir werden uns dafür stark machen, dass die Stadt mindestens 1 Euro (in Worten einen Euro) pro EinwohnerIn für Gesundheitsvorsorge zur Verfügung stellt. So werden wichtige Initiativen unterstützt, und neue Wege können beschritten werden”.

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