Kosmonauten der Liebe

BOLSCHOI BEAT, die Band zwischen Ost und West  Bolschoi
Sex and Marx and Rock’n Roll ■ Nach fast 30 Jahren wieder auf der Bühne: September 2013 beim 100er Fest des UHUDLA in der Wiener Underground Location Chelsea. Und ein Jahr später feiern BOLSCHOI BEAT ihr Comeback mit der CD: Kosmonauten der Liebe.
Veröffentlicht in der UHUDLA Ausgabe 102/2015

Georg, Rudi, Erwin und Ingo waren Anfang der 1980er Jahre nicht nur politisch engagierte Zeitgenossen. Auch das Musikmachen zählte zu ihren Leidenschaften. Andrea (Andi), Heidi und Caroline interessierte zusätzlich zur feministischen und allgemeinen Revolution der Chorgesang. Mit Schwung und Eifer wurde geprobt, improvisiert und getüftelt. Bolschoi Beat war geboren. Auftrittslokale für linke Musikprojekte waren nicht nur am Volksstimme Fest sondern damals in der Wienerstadt noch zur Genüge vorhanden.

Im Tanz getroffen und gelähmt

Die „Russenrocker” begeisterten ihre Fans auch im Osten Österreichs und im Südburgenland. Die Aufbruchstimmung  war für die Band zwar treibende Kraft, doch berufliche und existenzsichernde Befindlichkeiten ließen den Glanz der „Roten Sterne” verblassen. Ein paar Jahrzente später dankten die neuformierten Bolschoi Beat im Booklet dem UHU­DLA, „der uns mit einem Auftritt am 12. September 2013 im Wiener Chelsea zu dieser CD (re)animierte”.
Zitiert seien an dieser Stelle die Beweggründe der Bolschoi Beat wie im Begleittext von „Kosmonauten der Liebe” niedergeschrieben:
„…aus Cold War wurde Old War, heiß und tödlich. 25 Jahre nach dem Sieg der Oligarchen in West und Ost. Mit der CD ‚Kosmonauten der Liebe‘ setzen Bolschoi Beat fort, wo sie im letzten Jahrhundert aufgehört haben: bei Sex and Marx and Rock’n‘Roll.
Bolschoi Beat landet 1986 zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort: in Wien Neubau. Der Neubau der Welt schien uns im Gange. Im Westen Millionen gegen Krieg und Raketen, im Osten Perestrojka und Glasnost, im Süden Free Nelson Mandela und am Bildschirm Bob Aid. Lula eroberte Brasilien, Vietnam begann zu heilen und Falco wurde Nr.1 in den USA.
Was für ein Privileg, in Zeiten großer Momente zu leben. Da wollten wir mit. Because It’s so funny about Love, Peace and Understanding.  Bolschoi Beat wurde die beste Band zwischen Ost und West: Beat vom Westen, Bolschoi vom Osten. Vom Countdown in Cape Canaveral bis Juri Gagarin in Kasachstan.
Doch dann schlug das Imperium zurück, mit Bomben und Banken, Hartz 4, Hypo Alpe Adria und Griechenland. Down Hill Roll Back von Ost nach West trieb und treibt die Ärmsten ins Meer. Wir wurden im Tanz getroffen und gelähmt.
Aber. Es bewegt sich doch! Das ewige Motto der Erde belebte auch Bolschoi Beat. Und wir lieben es immer noch! Nach 25 Jahren mit menschlicher Breite zurück mit alten Hits, veralteten Hits, altmodischen Hits. Wurscht. Mit tollen Hits. Aber auch mit Neugeborenem, denn die Zukunft geht durch mich und Dich. Mit Hilfe von Peter Vieweger, der vierte Mann von Bolschoi Beat 2014, der uns mit seinen Loops, Ideen und Kompositionen das Selbstbewusstsein gab, das damals Versäumte nachzuholen…”.
Als Ergänzung zur Bolschoi Beatigen textlichen Interpretation ihrer CD lassen wir den Schauspieler, Autor, und Kabarettist I Stangl zu Wort kommen:
„Geile Beats, die 80er sind hörbar, wunderbar ins heutige gebracht. Religionen sind nicht gottgewollt, ist sowas von auf den Punkt gebracht, da könnt ich neidig werden. Mein zweiter Liebling: Kosmonauten der Liebe, schön ironisch, aber wahr, ein Beispiel für Liebeslieder, wie ich sie aushalte, leiwand. Tolle Arbeit, mit viel Liebe gemacht”.

Die Evolution liebt ihre Kinder

Die Hommage an das Rote Wien ist im Lied Rote Fahnen zu hören. Im Booklet steht es so geschrieben: „Wien wurde wiederholt die Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Schon in den 20er Jahren: Weltweit Leuchtturm als Rotes Wien. Um die Jahrhundertwende: Intellekt und Kunst lieferten sich olympische Spiele. 1870er Jahre: Welthauptstadt für Zuwanderung. Und die Kindeskinder der Zuwanderung wurden Kanzler, Minister oder Bürgermeister. Doch Faschismus und Rassismus haben viele und vieles zerstört. Wir wissen, was passieren kann. Es liegt an uns, ob nie mehr.”
Rudi Karazman hat seinen Text Barrikaden brennen langsam nieder jenen aufrechten Menschen in der kommunistischen Bewegung Europas gewidmet, die ihr Leben und ihre Lebensqualität geopfert haben, damit es anderen besser geht. Als die Barrikaden der Oktoberrevolution abgeräumt wurden, sollte die soziale Evolution der Sowjetunion beginnen. Aber in Jahrzehnten der inneren Despotie und der äußeren Aggression durch Nazi-Deutschland, Japan, England und den USA starben Millionen und Millionen. Doch der alte Traum lebt weiter. Die Evolution hat uns zu Wachstum, Gemeinsamkeit und Vielfalt verdammt. Und die Evolution liebt ihre Kinder”.
Die anderen Lieder der zwölfteiligen Hitliste auf der Bolschoi Beat CD sind mit Brandinesa am Gürteleck, Hallowien (New York grüßt Wien!), U-Bahnfahr‘n in Moskau, Vater unser, Juri Gagarin, Weitergeh’n 2014, Der Prinz von Havanna, Drauf steig ma ned ein und Katjuscha betitelt.
Weil wiedereinmal die Berichterstatt­ung in den Medien verroht und zwischen den Zeilen und Worten der KommentatorInnnen „Kriegslüsternheit trieft“, ein Textauszug über Katjuscha:
„Vor 100 Jahren plärrte es in Österreich: ‚Jeder Schuss ein Russ‘. Antisemitismus und Antislawismus als Zwillinge der Reaktion im ersten wie im zweiten Weltkrieg. Unsere Väter brachten den Menschen in der Sowjetunion Mord und Totschlag, die Rote Armee uns die Befreiung. Katjuscha war das Lied, welches die Burschen und Mädchen der Roten Armee auf ihrem langen und schrecklichen Weg nach Wien getröstet hat.
Katjuscha wurde 1938 von Michail Issakowski gedichtet und Matwei Blanter komponiert: Ein Liebeslied über die Sehnsucht der jungen Katjuscha für ihren Geliebten, der als Soldat in den Krieg ziehen musste. Die Beliebtheit des Liedes während des Krieges geht auf einen StudetInnenchor der Moskauer Industriehochschule zurück, der an die Front ausrückende Soldaten im Juli 1941 mit Katjuscha verabschiedete. Text und Melodie verbreiteten sich im Widerstand gegen Krieg und Faschismus in Europa. 1942 als italienisches Partisanenlied ‚Fischia il vento‘, 1944 als Hymne der griechischen Widerstandsbewegung und 1945 die erste englischsprachige Version von Nat King Cole”.
Lenz Piringer

BOLSCHOI BEAT
Kosmonauten der Liebe
Preis inkl. Versand: 15,- Euro.
Bestellen nur mit e-mail: uhudla.redaktion@gmail.com

Bolschoi Beat Band

Georg Siegl: Gitarrist, Sänger, Komponist, Autor, Produzent. Georg komponierte die meisten Songs von Bolschoi Beat. Ursprünglich Bibliothekar, nunmehr in leitender Position in der Hoheitsverwaltung tätig, zukünftiger Uhudlerwinzer und Schafbauer. Sein Sohn Erwin zupft mit ihm die Gitarre auf Bühnen wie auf der CD.
http://www.georg-siegl.at

Peter Vieweger: Musiker, Produzent und Executive Producer, Multiinstrumentalist und Executive Producer dieser CD sowie vieler Alben in seinem Studio „Looping Music Productions“ von Falco bis Charlie Watts. Gitarrist der Drahdiwaberl und Band-
Leader von Falco (Hans Hölzl).
http://www.feegeeproduction.com

Erwin Schuh: Schlagzeug, Percussions. Fotograf, mehrfacher APA-Preisträger. Unternehmens-Fotografie, Reportagen, Fotobände, Werbefotografie. Ursprungsberuf KFZ-Mechaniker. Mitbegründer des legendären „Stand Up-Clubs“ in Fischamend.
http://www.photoschuh.com

Rudi Karazman: Saxofonist, Texter und Gestalter, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapeut, Lektor an der WU Wien, Saxofonist bei „Drahdiwaberl“ Anfang der Siebzigerjahre – und frisch gekürter Professor im Dienste der Werktätigen. Gründer und mit seiner Frau Inge wissenschaftlicher Leiter des Gesundheitsunternehmens IBG. Buchautor. Sohn Niklas geigt auf der CD.
http://www.ibg.co.at

Ingo Riss: E-Bass, Hintergrund – spielt leidenschaftlich auch Violoncello, Mitglied des Orchesters des Orchestervereins der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Musikverein), regelmäßige Konzerttätigkeit im Goldenen Saal des Musikvereins und anderswo. Rechtsanwalt mit Kanzlei in Wien und Purkersdorf, Schwerpunkte in Arbeitsrecht, Hochschulrecht u.a.
http://www.anwalt-riss.at

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