Der Fall Gargellen

Aufklärung durch brisantes Tagebuch eines „Doppelgängers” Einmal noch Haider, dann möge er ruhen ■ Ein dem UHUDLA zugespieltes Tagebuch bringt Licht in das wirre Dickicht aus abstrusen Verschwörungstheorien um den Tod des Kärntner Landeshauptmannes. Jörg Haider lebt. Haider

Bildtext: Ernst Jagocic stiftet den PS-narrischen Gargellen zu einem nächtlichen Wettrennen an, in dem es Jagocic gelingt, Josef Gargellen von der Straße zu drängen

Das Tagebuch ist an Brisanz nicht zu überbieten. Es zeigt auf, dass der Erfolg Haiders auf einem ausgeklügelten und seit Jahren angewandten Doppelgängersystem beruhte.

Erschienen in der UHUDLA Ausgabe 90/2009

Jörg Haider lebt, und er saß gar nicht im Phaeton in jener dramatischen Nacht vom 11. Oktober 2008

An Theorien, die einen Tod Haiders frei von Fremdeinwirkung in Zweifel ziehen, mangelt es nicht. Wird von manchen eine Verwicklung des israelischen Geheimdienstes Mossad vermutet, so deuten andere die Fahrt mit 160km/h vor Beginn eines Ortsgebietes, als eindeutigen und finalen Akt im Kärntner Ortstafelstreit, als überspitzte Parodie Haiders auf die Selbstanzeigeaktion des Kärntner Slowenen Rudi Vouk, der nach einer behaupteten Geschwindigkeitsübertretung, eine Einschaltung des Verfassungsgerichtshofs erwirkt hatte.
Das Auftauchen des Tagebuchs mit dem brisanten Inhalt straft die Legion aus Verschwörungstheoretikern Lügen und stellt eines klar: Jörg Haider lebt. Nicht nur das, Jörg Haider saß gar nicht im Phaeton in jener Nacht vom 11. Oktober 2008, sondern ein Doppelgänger, namens Josef Gargellen, der dabei schwer verletzt wurde, aber ebenfalls am Leben ist, nach politischer Intervention von ganz oben, für tot erklärt wurde.
Alles der Reihe nach. Nach gründlicher Auswertung des Tagebuchs, als dessen Autor besagter Josef Gargellen identifiziert und dessen Echtheit mittlerweile von forensischen Experten bestätigt wurde, lässt sich der politische Werdegang Jörg Haiders und die Entwicklung von FPÖ/BZÖ der letzten Jahre im Zeitraffer wie folgt rekonstruieren:
1986: Haider stürzt Norbert Steger und übernimmt die FPÖ Führung.
1987: Beginn des Personenkults um Haider. Nach seinem Besuch beim irakischen Diktators Saddam Hussein übernimmt Jörg dessen Idee, sich öffentlich von Doppelgängern vertreten zu lassen. Er organisiert einen „Haider-look-alike Wettbewerb“. Die Teilnehmer sind enthusiastische FPÖ-ler. Dass der Bewerb von Haider mit der Absicht organisiert wurde, daraus Doppelgänger zu rekrutieren, wissen die Teilnehmer nicht.
1988. Dem Sieger des Wettbewerbs, dem gebürtigen Vorarlberger Josef Gargellen, wird vom damaligen Haider-Sprecher Xaver Wehrschütz angeboten, für Haider den Doppelgänger zu spielen. Die Ähnlichkeit ist so frappant, dass die Homosexualität Gargellens und damit mögliche Komplikationen mit dem Familienleben Haiders in Kauf genommen werden. Gargellen zeigt sich zunächst abweisend, wird nach Aushandlung eines Salärs von monatlich 120.000 Schilling aber gewonnen.
Nach viermonatigem Training, bei dem der Vorarlberger Dialekt ab- und die Mischung aus Oberösterreichischem bzw. Kärntner Spracheinschlag antrainiert wird, absolviert Gargellen seinen ersten Auftritt bei der Jubiläumsfeier einer Brauerei.

Joschi Gargellen ist jetzt der starke Mann in der FPÖ. Haider zieht sich komplett aus der Politik zurück

1989: Gargellen kommt bald auch im Wahlkampf zum Einsatz. Und bewährt sich. Haider gewinnt, die FPÖ stellt erstmals den Landeshauptmann.
1990: Erster Konflikt zwischen Haider und Gargellen, der mehr Mitsprache fordert. Gargellen verlangt einen moderateren Ausländerkurs und Reduktion in der Wortwahl. Wohl als Reaktion darauf lässt Haider den berüchtigten Sager von der „ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich“ vom Stapel, der ihm schließlich den Landeshauptmannsessel kostet.
1992: Vielleicht um Gargellen auszutauschen oder auch um die Macht Gargellens zu schmälern, der sich letztendlich weiterhin bewährt, werden von weiteren Look-alike Wettbewerben zwei neue Doppelgänger rekrutiert. Es handelt sich dabei um den gebürtigen Slowenen, Ernst Jagocic, und den Steirer August Kress.
1993: Erste öffentliche Auftritte von Jagocic und Kress. Beide bewähren sich. Sie treten bald landesweit auf.
Haider erholt sich vom Verlust des Landeshauptmannpostens nicht. Sein Machtgefüge zerbricht. Gargellen ist jetzt der starke Mann in der FPÖ. Haider zieht sich komplett zurück, lebt seitdem in völliger Abgeschiedenheit im Bärental. Gargellen bewilligt ihm eine monatliche Rente.
1997: Zwei Jahre vor der Wahl von 1999 beginnt Gargellen den Wahlkampf. Mit insgesamt drei Doppelgängern wird unermüdlich Wahl gekämpft. Das Konzept geht auf. Haider (Gargellen) wird Landeshauptmann.
2001: In der Klagenfurter Zeitung wird erstmals in einem Artikel darauf aufmerksam gemacht, dass Haider auf zwei Veranstaltungen gleichzeitig gewesen sein muss. Erstmals wird der Verdacht der Verwendung von Doppelgängern kolportiert. Die Grünen bringen eine dringliche Anfrage im Landtag ein. Die Angelegenheit wird heruntergespielt, bundesweit nicht aufgegriffen und schließlich nicht mehr verfolgt.
2002: Bei einer außerordentlichen FPÖ-Delegiertenversammlung in Knittelfeld treten einige ranghohe FPÖ-Mitglieder aus Protest gegen die zunehmend autokratische Parteiführung Gargellens aus der Partei aus.
2003: Gargellen gründet eine eigene Doppelgängerschmiede, in der weitere Doppelgänger ausgebildet werden. Auf dem „Lehrplan“ stehen Anlernen des Haiderschen Sprachduktus, Gesangsausbildung, Rhetorik und Implementierung von antijüdischem und ausländerfeindlichem Gedankegut. Dazu Unterweisung in die Grundlagen von Populismus und Polemik. Ende 2003 sind insgesamt 9 Doppelgänger allein in Kärnten unterwegs.
2004: Das Doppelgängersystem erlaubt es der Haidermaschinerie ganz nah am Volk zu sein und auf möglichst vielen Kirtagen zu tanzen. Mit Erfolg. Nach massivem Wahlseinsatz wird Gargellen erneut Landeshauptmann.
2005: Eine Kampfabstimmung mit HC Strache droht. Gargellen beschließt die Gründung einer eigenen Partei. Das Kürzel BZÖ ist insgeheim Ausdruck seiner Ablehnung der Parteifarbe blau („blau zu öd“), offiziell jedoch steht es für „Bündnis Zukunft Österreich“.
2006: Nationalratswahl: Obwohl sich Gargellen nur auf Kärnten konzentriert hat, wo immerhin 12 Doppelgänger zum Einsatz kommen, räumt das BZÖ ab und schafft den Einzug in den Nationalrat. Der eigentliche Spitzenkandidat Westenthaler ist ebenfalls mit zwei Doppelgängern im Wahlkampf unterwegs.
2008: NR-Wahl: Nach Einsatz von  bundesweit 20 Doppelgängern ist das BZÖ der eigentliche Wahl Gewinner.

Gerhard Dörfler hat selbst ernste Machtambitionen und ist des Doppelgängerspiels längst überdrüssig

2008, Okt: Landeshauptmannstellvertreter Gerhard Dörfler gewinnt Jagocic dazu, Gargellen auszuschalten. Aus den Tagebucheintragungen ergibt sich, dass Gargellen seit Jahren in ständiger Todesangst gelebt haben muss, wohl wissend, dass er austauschbar ist und sein Tod nicht weiter auffallen würde.
Jagocic glaubt Gerhard Dörfler hinter sich, in Wahrheit strebt Dörfler selbst die Nachfolge Gargellens (Haiders) an. Jagocic zettelt den PS-narrischen Gargellen zu einem nächtlichen Wettrennen an, in dem es Jagocic gelingt, Gargellen von der Straße zu drängen. Doch Gargellen überlebt. Nach zweiwöchigem Krankenhausaufenthalt wird Gargellen entlassen. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist (noch) unbekannt.
Dörfler, der selbst ernste Machtambitionen hegt und des Doppelgängerspiels längst überdrüssig ist, gelingt es, den Spitalssprecher zu bestechen und Haider (Gargellen) für Tod erklären zu lassen. Jagocic, Kress und die restlichen Doppelgänger drohen daraufhin, die jahrelange Charade publik zu machen und das BZÖ zu kompromittieren. Doch Gerhard Dörfler zeigt sich spendabel, greift tief in die Parteikasse des BZÖ und zahlt die Truppe generös aus.
Rund um den Unfallabend waren bis zuletzt etliche Fragen offen. In der Krone etwa wird das Wirrwarr so beschrieben: „Haider [war] am Freitag, dem 10. Oktober, jenem Tag, an dem der Volksabstimmung von 1920 gedacht wird, bei zahlreichen Festveranstaltungen – im Trachtenanzug. Und am Abend, jetzt in Jeans und beiger Lederjacke, bei einer Magazin-Präsentation im Veldener „Le Cabaret“. Bis etwa 23 Uhr. Auch darüber gehen die Angaben auseinander, die Spuren beginnen sich zu verwischen. Die einen wollen Haider in einem Hotel an der Bar gesehen haben. Andere in einem Lokal. Die einen erzählen, Haider wäre stocknüchtern gewesen. Andere behaupten, er habe in kurzer Zeit sehr viel Wodka mit Red Bull getrunken.“
In Anbetracht der Enthüllungen dürften derartige Ungereimtheiten ­geklärt sein. Wie berichtet war Haider weder im Le Cabaret, noch in einer Hotelbar, sondern im Bärental auf seinem Anwesen. Dagegen dürfte Kress im Le Cabaret gewesen sein, während der homosexuelle Gargellen schon seit dem frühen Nachmittag in einem einschlägigen Szenelokal aufhältig war. Bei dem dritten „Haider“ in der Hotelbar dürfte es sich vermutlich um einen weiteren, namentlich nicht bekannten Doppelgänger gehandelt haben.
Mittlerweile wurde bekannt, dass bereits erste Dörfler-Look-alike Wettbewerbe im Kärntner Landesgebiet stattgefunden haben.
George le Bleu

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