Und wo bleibt die Alternative?

MartinEr- und Bekenntnisse eines Bildungsfernen ■ Zuerst einmal: Ich weiss, wovon ich schreibe. Acht Jahre Volksschule in einem kleinen Dorf und ein Jahr Polytechnischer Lehrgang. Danach eine Lehrlingsausbildung als Ofensetzer und Fliesenleger.
Gegenwärtig reibe ich mir verwundert die Augen, wenn ich in den Medien über „bildungsferne” wahlunmündige „FalschwählerInnen” lese.

Kommentar von Martin Wachter, erschienen im UHUDLA Ausgabe 106/2017

Es verschlägt mir Ohren und Sprache, wenn die Bobo-Abteilung besserwisserisch das arbeitende oder arbeitslose Volk für das Grundübel der „rechten” politischen Zustände in Österreich verantwortlich machen will.


Ich war schon als Lehrling politisch engagiert und an der  Kampagne zu Arbeitszeitverkürzung auf eine 40-Stunden-Woche beteiligt. Die Sozialistische Partei unter Bruno Kreisky feierte die erfolgreiche Einführung 1975 als ihren Erfolg. Als damalige SPÖ-Mitglieder konnten wir uns an den Reformerfolgen der  SozialistInnen erfreuen. Aber dann war es Schluß mit lustig.
Es folgte der Zwentendorfer Atomkurs und die Zerschlagung der Verstaatlichten Industrie. In den paar Jahrzehnten nach 1960 hat sich die Arbeit noch gelohnt und das Steueraufkommen war einigermassen gerecht verteilt.
In den 1970er Jahren hielten sich Kapital- und Lohnsteuer noch die Waage. 2015 landeten 27,2 Milliarden Euro Lohnsteuer der Werktätigen im Staatshaushalt. Die G’stopften und Besitzenden  kommen mit ein wenig mehr als 10 Milliarden Euro relativ ungeschoren davon. Waren Anfang der 1970er so um die 40.000 Menschen ohne Arbeit, sind es jetzt mit etwa 400.000 fast zehnmal mehr Personen ohne arbeitsmäßigen Broterwerb. Das ist unter anderem der Stoff, der aus unzufriedenen Menschen  frustrierte WählerInnen macht.

Und was macht die politische „Elite” des Landes? Die Volkspartei bedient ihr Klientel und fordert für die Werktätigen einen 12-Stunden-Arbeitstag. Die Freiheitlichen machen dumme ehschonwissen Pöbeleien. Die Grünen suhlen sich in ihrer eigenen Kleinbürgerlichkeit. Die SozialdemokratInnen und ihr Häuptling Christian Kern sind entweder auf Tauchstation oder schwätzen, solange der Tag lang ist, belangloses Zeug. Kanzler Kern will allen, die noch Arbeit haben, flexiblere Arbeitszeiten abverlangen. Die„Wirtschaft” sollte mit einer Senkung der Lohnnebenkosten beschenkt werden. Kein Wort von Arbeitszeitverkürzung und gerechtem Lohn für mehr Arbeit. Die Forderung nach einer sechsten Urlaubswoche kommt dem „smarten” Schönwetterphrasendrescher nicht über die Lippen. Manche Parteigranden der SPÖ sitzen bereits auf dem falschen Pferd und traben in die falsche Richtung.

Ein Tipp an alle „Eliteapostel” und weisen Akademiker­Innen: Vielleicht sind die „Bildungsfernen” gar nicht so dumm, sondern nur schlauer. Ihr „falsches” Wahlverhalten sollte allen politisch Interessierten ein Ansporn sein. Österreich ist längst reif für eine richtige und progressive Alternative auf den Stimmzetteln. Dann könnten wir uns auch das unnötige Geschwätz über „Bildungsferne” ersparen.

uhudla.redaktion@gmail.com

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