Albert Dlabaja – Der Hüttenwirt

Albert_Titel_II.jpgKulturverein Alberts Bücherlager ■ In Meidling, wo die Wienerstadt einen Hauch von Bronx vermittelt, ist Albert Dlabajas Revier. Sein Underground Etablissement ist ein renommierter Treffpunkt vielseitigen Kulturschaffens. Eigentlich ist der Kulturverein Alberts Bücherlager KABL selbst ein Kunstwerk. „Hüttenwirt” Albert (im Bild) politisches und  kulturelles Engagement ist einzigartig zwischen Scheibbs und Nebraska. Auch der „Big Apple”, New York, würde da vor Neid erblassen.
Von Martin Wachter erschienen im UHUDLA Ausgabe 103/2015

Albert Dlabaja ist eigentlich von berufswegen ein gelernter Stahlbauer des Wiener Traditionsbetriebes Waagner Biro. Bereits bei den Brückenbauern konstruierte er sich selber eine Brücke zu seiner wahren Leidenschaft – den Büchern.


Der bereits pensionierte Akteur der Kulturszene hatte in seiner Kindheit eine leidvolle und traurige Erfahrung mit dem Wort „Buch” machen müssen. Sein Vater war im KZ Buchenwald gefangen. Der Großteil seiner Verwandtschaft war im kommunistischen Widerstand gegen das Hitlerische Verbrecherregime aktiv.  Sie hatten schlimme Erfahrungen mit einer Vielzahl nazideutscher barbarischer Arbeits- und Vernichtungslager machen müssen. Viele von ihnen haben nicht überlebt.
Diese Ereignisse haben Alberts Leben geprägt. Er ist ein überzeugter Anti-faschist. Bei vielen Gedenkveranstaltungen tritt er als Redner in Aktion. Albert Dlabajas politisches antifaschistisches Engagement ist so vielseitig – dass eine vollzählige Anführung hier den Rahmen sprengen würde. Er ist Obmann der KZ-Vereinigung Buchenwald, Vizepräsident des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) und Obmann des Niederösterreichischen KZ-Verbandes.

Ein Wohnungswechsel wurde zum  Wiegenlied für Alberts Bücherlager

Seit 1967 ist Albert auch als Musiker in mehreren Bands aktiv. Er bevorzugt das  Genre Folk- und Protestsong. So gut wie immer mit von der Partie Freund und Liedermacher Rudi Burda (Bild nebenan mit Gitarre). Bis 2003 waren auch Tingeltouren in Österreich, nach Deutschland und in die Schweiz auf dem Programm. Heutzutage trifft sich die KABL-Werkskappelle des öfteren im Bücherlager und spielt dort für ihr Publikum auf. Dann ist aber wegen „Heimspiels” Platznot im Etablissement angesagt. Es ist an der Zeit, wieder in die Meidlinger Provinz zu wechseln – also ins Bücherlager. Wie kann ein Bücherlager entstehen, lautet da die Frage. Ganz simpel, antwortet Albert:
„Wenn ein ehemaliger Bibliothekar und Buchhändler seine Wohnung wechselt und in eine andere umzieht, sollt es nicht gleich wieder ausschaun wie in einem Bücherlager. Ich hab einen Lagerraum für einen Teil meines Druckwerkbergs gesucht und in der Aichholzgasse 19 in Wien Meidling ein Souterrain gefunden. Ein überflüssiges Ledersofa war auch noch zu deponieren. 2001 war dann das Bücherlager geboren”.

Viel Staub, Schweiß und Bier für die kultigste aller Wiener Kulturstätten

Doch so einfach war das alles auch wieder nicht. Mit enormem Zeitaufwand und viel Energie machte der ambitionierte und am Nordrand von Niederösterreich wohnhafte „Bücherwurm” aus dem G’wölb seine Hütte. Mit viel Staub, Schweiß und Bier entwickelte sich das Ur-Bücherlager.
Hüttenwirt Albert hat durch stetiges Schaffen eine Oase der Gemütlichkeit und des Kunstgenusses für seine Gäste kreiert. Im Laufe der Zeit wurde Alberts Hütte, laut Eigendefinition auf die Seehöhe des Bücherlagers bezogen, der niedrigste Hüttenwirt Österreichs,  ein sicherer Tipp für vielseitige aktive und passive künstlerische Tätigkeit.
Besonders PassivraucherInnen können erfreut feststellen, dass mit dem totalen Rauchverbor in der Location bessere Lebensbedingungen gewährleistet sind. Für verwirrte Gäste, bezüglich des hohen Niveaus der Darbietungen im Bücherlager, hat Albert für mehr Durchblick gesorgt. Wegen einer entfernten Zwischenwand erhöht sich der „Durchblick” für das Publikum enorm.
Gemütlichkeit und Kultur im familiären Rahmen hat einen Namen: Alberts Bücherlager. Ein Besuch im Meidlinger Kultur Untergrund ist eine Lebenser­fahrung. Quasi eine Bereicherung wie der Erdäpfelsalat zum Schnitz’l, das Bier zum Gulasch.
Martin Wachter

Alberts Bücherlager
1120 Wien, Aichholzgasse 19
FB: Alberts Bücherlager

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