Meidlinger Kelleroase

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Jeden Monat ein Abend mit widerständigen Politliedern. Musiker Chris Peterka animiert das Publikum zum Mitsingen. Foto: Wachter

Alberts Bücherlager ■ Wann ich das erste Mal die paar Stiegen hinunter in das Kellerlokal in der Aichholzgasse in Meidling gestiegen bin, weiß ich nicht mehr genau, es muss vor ungefähr zehn Jahren gewesen sein. Möglicherweise bei einer Veranstalt­ung des Kulturvereins Klopfzeichen, bei dem ich zu dieser Zeit aktiv war.

Erinnerungen von Chris Peterka in der UHUDLA Ausgabe 103/2015
Auf jeden Fall war ich vom Ambiente des Bücherlagers von Albert Dlabaja sofort beeindruckt:

Alter Holzfußboden, an den Wänden Bilder von befreundeten KünstlerInnen, eine kleine Bühne an der Stirnseite, gleich neben dem Eingang als Bar ein Holzbrett über einigen Kisten und in den Regalen tausende Bücher, die dem Lokal seinen Namen gaben.
Die einzige Möglichkeit zur Lüftung der schwer verrauchten Örtlichkeit bestand in der kurzzeitigen Öffnung der Eingangstür oder der Tür zum Kellergang, durch den man das zu dieser Zeit sehr rustikale Klo erreichen konnte. Gekoppelt mit der Luftfeuchtigkeit in Amazonasgegenddimension setzte man binnen weniger Minuten eine Patina an Gewand und Körper an, deren Geruch erst nach mehrmaligenmintensiven Duschen zu Hause wieder leidlich zu beseitigen war.
Dieses authentische Lokal schien mir wunderbar geeignet für ein Projekt, zu dem ich die Idee schon einige Zeit mit mir herumtrug: ein Mix aus musikalischer Session und Lesungen im gemütlichen Rahmen in meinem Heimatbezirk.  Albert, selbst ernannter auf die Seehöhe des Bücherlagers bezogener, niedrigster Hüttenwirt Österreichs und Umgebung, konnte meiner Idee etwas abgewinnen und am 10. Jänner 2006 veranstaltete ich in seiner Höhle den ersten Meidlinger Kulturjam. Bis heute ziehen wir diese Veranstaltung, bei der hunderte MusikerInnen und LiteratInnen auftraten,  monatlich durch und hoffen noch auf das eine oder andere zusätzliche Jahr.
Nachdem sich’s auf einem Bein schlecht steht, realisierte ich ab Jänner 2007 mein zweites kulturelles Anliegen – ein monatlicher Abend mit linken und widerständigen PolitLiedern, bei denen durch aufliegende Texthefte das Publikum zum Mitsingen animiert werden sollte. Auch diese Veranstaltungsreihe haben wir bis heute im Bücherlager durchgezogen.
Und da aller guten Dinge drei sind, fand auch meine nächste Idee beim Kellerherrn  Anklang. Die Reihe „Bildergespräche“ sollte Künstlerinnen und Künstlern die Gelegenheit geben, einige ihrer Arbeiten abseits eines Vernissagerummels zu präsentieren und mit dem Publikum ungezwungen zu plaudern. Dazu gab es Musik und Texte. Auch diese Schiene haben wir bis heute monatlich im Bücherlager – bis auf wenige Ausnahmen, die im Meidlinger Amtshaus stattfanden –  durchgeführt.
Viel hat sich in diesen Jahren dank der Bemühungen und Umbauten von Albert Dlabaja und seinem Team im Bücherlager verändert – siehe nebenstehenden Artikel – das einzigartige Ambiente einer kulturellen Oase in einem Vorstadtbezirk ist aber erhalten geblieben.

Chris Peterka

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