„Hells Bells” im Rathaus und “Highway to Hell” in Erdberg

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WL © Zinner

Life-Musik in der U-Bahn – Die für die Wiener Linien zuständige Stadträtin Ulli Sima und die SPÖ-GenossInnen im Rathaus haben scheinbar nicht nur Probleme mit der Abwicklung von Michael Häupl als Wiener Bürgermeister.
Sigi Maron hat im Jahr 1976 bei der Besetzung des Schlachthofs in der Arena gesungen: „Poldi, Poldi, Poldi (gemeint war Bürgermeister Leopold Gratz) das ganze Rathaus steht in Flammen, Euer Oasch ist in Gefahr”. Wenn Sigi Maron noch leben würde, täte ihm sicher genügend Liedtext zu „Michi, Michi, Michi das Rathaus steht in Flammen …” einfallen.


40 Jahre später dürfte die Sozialdemokratie der Bundeshauptstadt in einer ähnlichen Situation sein. Anders kann die Kampagne der Wiener Linien in Kooperatin mit dem Rathaus nicht interpretiert werden. „Ulli Sima will Sicherheitsgefühl mit Livemusik erhöhen”, titelt das Wegwerfblatt „Heute“ Ende März 2017.

„Heute”, die tonnenweise Altpapier als täglichen Zeitungsmüll auf Rädern in und von den Wiener Linien entsorgen lassen und dafür auch noch Millionen von Euro kassiert, beschreibt die Kampagne der Stadträtin wie folgt: Werden in den Wiener U-Bahn-Stationen bald Lieder von Schlagerstar Helene Fischer zu hören sein? Geht es nach Öffi-Stadträtin Ulli Sima, soll nämlich bald Livemusik gespielt werden, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen.

Blöder gehts nimmer, aber Wien is ja anders. Ein weiterer „Heute“ Text zur Kampagne als Beweis:

„Junge Musiker sollen in ausgewählten Stationen die Chance bekommen ihre Musik zu präsentieren. Mit ihren Liedern sollen sie zum Sicherheitsgefühl beitragen und die Stationen beleben.
Erste Castings haben bereits stattgefunden. Eine Jury wählt die besten Darbietungen aus. Das Pilotprojekt soll bei der Station Westbahnhof beginnen. Dort erhalten die Musiker bestimmte „Slots“, zu denen sie spielen dürfen. Das Vorbild für dieses Projekt ist London, wo bereits in bestimmten Stationen Livemusik gespielt wird.
Neben Musik sollen auch mehr Security-Mitarbeiter für die nötige Sicherheit sorgen.
Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden 120 neue Mitarbeiter unterwegs sein. Außerdem werden in den nächsten Jahren 210 neue Servicemitarbeiter dafür sorgen, dass die Hausordnung eingehalten wird und den Fahrgästen bei Störungsfällen weiterhelfen.
Eine Auswahl an Songs, die sich GANZ UND GAR NICHT für die Beschallung von U-Bahngästen eignet, finden Sie auf der nächsten Seite”, schreibt „Heute”.

Der UHUDLA hat einen Tipp für die immerwährende Beschallung in den Hallen und Räumen des Rathauses: „Hells Bells” von AC/DC. Die Beschäftigten der Wiener Linien in der Erdberger Zentrale sollen auch ihren Spass haben mit: „Highway to Hell” (AC/DC wurden, eh klar unter vielen anderen von „Heute“ auf die schwarze Liste gestellt).

Eigentlich wäre es ja lustig, wenn geschildertes Ansinnen den SteuerzahlerInnen nicht wieder so viel Geld kosten würde. „Heute”, „Österreich”, „Krone” und co hoffen auf den großen Reibach. Denn eins ist so gut wie sicher: auf die Unterstützermedien warten fette, bezahlte Inserate.

Selbige Medien haben schon einmal vor einigen Jahrzehnten die Lautsprecherbeschallung mit klassischer Musik in den Stationen der Wiener Linien zu Fall gebracht. Eine ORF-Wien-Umfrage zum Thema endete am 31. März mit folgendem Ergebnis auf eine Suggestivfrage: Sind Sie für Livemusik in Wiens U-Bahnen?
63 Prozent sagten Ja, 24 Prozent Nein, 13 Prozent ist es wurscht.

Konflikte sind vorprogrammiert, denn viele wollen nicht mit Schnulzen von Helene Fischer und anderen Jodldodl-Gedudl in der U-Bahn von A nach B reisen. Eins wird auch sicher sein: die Edelschnulze von Peter Alexander: „Hier ist ein Mensch, der will zu dir, du hast ein Herz öffne die Tür” oder von Udo Jurgens „Griechischer Wein”  werden sich auf der Verbotsliste finden.

An die Damen und Herren im Rathaus und in Erdberg: es gibt eine einfache Lösung!
In Wien gibt es StrassenmusikantInnen und KünstlerInnen genug. Einige spielen auch in Wien – wie in Metrostationen großer europäischer Städte üblich. Doch die U-Bahn Rambos & Sherrifs vertreiben und bestrafen die Unterhaltungskünstler.
Ihr, liebe VerantwortungsträgerInnen in Wien braucht’s keine wohlfeilen Castings für musikalische Günstlinge. Ihr politisch und geschäftlich Zuständigen bei den Wiener Linien brauchts Toleranz und Menschlichkeit!
Die grausliche Wirklichkeit schaut so aus:

Wiener Linien mobilisieren zu Ostern die Aktion Scharf gegen BettlerInnen

In der Karwoche mobilisieren die Wiener Linien mit einer „Aktion Scharf“ gegen BettlerInnen. Vor allem die vielen TouristInnen sollen die Armut in der „lebenswertesten Stadt der Welt“ nicht sehen.
Annika Rauchberger, die Mitarbeiterin im Blog „Mosaik Politik neu zusammensetzen” erklärt, wie die Kontrollen funktionieren und wie die Betroffenen unterstützt werden können: (Sie hat Soziale Arbeit und Soziologie studiert und engagiert sich seit 2013 als Aktivistin der Bettellobby Wien.)
Von 9. bis 16. April starten die Wiener Linien eine „Aktion Scharf“ gegen BettlerInnen und MusikerInnen. Mit Unterstützung von Polizei und SchnellrichterInnen fahnden sie im Verkehrsnetz nach Menschen, die das Hausrecht vermeintlich verletzen. Die Gefassten bekommen ihre Strafen direkt durch RichterInnen ausgehändigt. Wehren können sie sich dagegen kaum. Das Credo der Wiener Stadtregierung, nicht Arme, sondern Armut zu bekämpfen, ist offensichtlich nicht mehr als ein wohlklingender Slogan der „Menschenrechtsstadt“. Und das, obwohl der Verkehrsbetrieb der Rot-Grünen Regierung zugesichert hat, dass sie „ihr Hausrecht“ tolerant nützen würden, solange es keine Behinderungen gäbe. Das erfuhr zumindest die Grüne Gemeinderätin Birgit Hebein auf Anfrage der BettelLobbyWien.
Schnellverfahren und Repression
Schon im Jahr 2013 fand eine groß angelegte Aktion gegen BettlerInnen in den U-Bahn-Bereichen statt. Ein Stab unter Polizeigeneral Karl Mahrer unterstützte die Sicherheitsleute der Wiener Linien bei der Suche nach „organisierten“, „betrügerischen“ und „aggressiven“ BettlerInnen. Die Gefassten wurden mit der Polizei – MitarbeiterInnen der Wiener Linien dürfen niemanden zum Mitgehen zwingen – zum Westbahnhof geleitet. In einem Raum mit der Aufschrift „Kontrollbezirk“ saßen SchnellrichterInnen und MitarbeiterInnen der MA 6 (Abgabe- und Rechnungswesen), die die Strafen aushändigten. Bis zu 140 Euro kostet zum Beispiel das „Versperren eines Fluchtweges“. Für einen Menschen, der mit Betteln am Tag etwa 10 Euro verdient, ist das ein Vermögen. Obwohl alle Menschen das Recht haben, eine Vertrauensperson, beispielsweise FreundInnen, Verwandte, aber auch PassantInnen, zu diesem Schnellverfahren hinzuzuziehen, wird ihnen dieses Recht meistens verwehrt. ZeugInnen sind unerwünscht. So müssen Frauen und Männer, die häufig nicht ausreichend Deutsch sprechen, diese Form der Repression über sich ergehen lassen. Aus Angst vor einer Gefängnisstrafe, die sie antreten müssten, wenn sie das Geld nicht zahlen können, verlassen die Betroffenen manchmal sogar das Land. Die Vertreibung hat ihren gewünschten Effekt erzielt.

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