Des Verkäufers Dank!

Walter LOHMEYER, Uhudla-Straßenzeitung.
© Robert Newald

Einmal Leben und zurück ■ Walter Lohmeyer verkauft seit über 20 Jahre fast täglich den UHUDLA. In die Jahre sind wir gekommen. Wir, das Printmedium UHUDLA und ich. Seit nunmehr über 20 Jahren verkaufe ich die älteste und rebellischste Straßenzeitung Österreichs.
Grund und Anlaß genug, um ein wenig Resümée zu ziehen und um sich zu bedanken, zu bedanken bei Ihnen geschätzte Leser(Innen). Keine Sorge: Ich schütte Sie jetzt nicht zu, mit „G’schichterln“, mit Erlebtem jenseits von Gut und Böse.


Nein – es soll schlicht und einfach ein ehrliches und vom Herzen kommendes „Danke“ sein. Denn 20 Jahre lang durch die Straßen Wiens (bisweilen auch Umgebung) zu eilen, um den UHUDLA anzubieten und zu 90 Prozent auf nette und „normal“ agierende Menschen zu treffen, ist, als ob du eine niemals enden wollende Freude erlebst.

Da hast du eine Aufgabe, eine Arbeit, ein Ziel

Man vergißt die Zeit der Obdachlosigkeit, man verliert keine Gedanken mehr über dedn „Dämon“ Alkohol (der mich fast zugrunde richtete). „Du hast eine Aufgabe, eine Arbeit, ein Ziel. Bist glücklich über jeden erhabenen Augenblick, über kleine und große Erfolge im Alltag.
Der Wert und die Wertigkeit des Lebens, deines Lebens, hängen von Dir selbst ab“ – das habe ich in all den Jahren erkannt. Viele unserer Wünsche verlieren sich im Nirwana, doch den elementaren Sinn des Lebens findet man nur in sich selbst, indem man sich nicht aufgibt und an sich und seine Fähigkeiten glaubt.
Das Leben als „permanent work“- trotz Höhen und trotz Tiefen. Sch…drum: Denke, höre, lerne, rede und – lebe. Niemand ist eine Insel. Wir Menschen sind im Grunde alle untrennbar miteinander verbunden.
Jetzt aber genug der philosophischen Betrachtungen, der psychologischen Selbst- erkenntnisse. Jetzt rein ins Eingemachte. Ich wollt ja eigentlich gar nicht. Aber es gehört einfach dazu.
Einer meiner lustigsten Verkaufserlebnisse: Tatort: Das alte AKH; Zeitpunkt des Geschehens: Frühsommer. Wonnezeit des Kolporteurs. Ein älteres Ehepaar. Sie nuggelt an einem Spritzwein, er ein deftiges Krügel. Ich spreche beide an: „Grüß Gott, neueste Ausgabe des UHUDLA, Brand New Issue“ Sie: „Du, Franzi – versteckte Kamera, I kenn den Mann“ Er: „Wen?“ Sie: „Ja den!“ Er: „Ah so, ja, na ja, wir haben ja immer was über, für die Leut‘ auf der Stroßn und überhaupt – eh ja was kost den dös? 2 Euro? Natürlich, do homs – samma richtig im Bild – UHUDLA, interessant, hot dös was mit’n Wein zu tun, ah der Herausgeber kommt aus der Region, Grete, i glaub‘ wir san jetzt schon live oder wird dös erst am Abend g’sendet?“
„Des dearf er ja net sogn, net wahr der Herr“, erwidert Frau Grete. Beide stehen auf, geben mir die Hand und… warten noch heute auf ihren Fernsehauftritt. Ehrlich – ich wollte korrigieren, aber das Ganze spielte sich in höchstens zwei, drei Minuten ab, da war nix, rein gar nix, möglich.

Ein Buchprojekt: „Einmal Leben und zurück“

Über negative Ereignisse berichte ich nicht so gern (Verdrängungsprozess), nur so viel, daß ein Betreffender mich in die finsterste Zeit der österreichischen Geschichte zurückbeamen wollte und er, als Akteur, mich dort eigenhändig abgemurkst hätte. Dabei hatte ich ihn nicht einmal angesprochen. „Aber es muaß einfach g’sagt werdn“. (Der Mann flog übrigens aus dem Lokal, ob dieser Ansage – muß an dieser Stelle auch gesagt werden).
Diese zwei, nennen wir es Anekdoten, sollen aber zugleich ein kleiner Hinweis, eine de facto Vorankündigung, sein – wofür?
Sie haben es sicher schon erraten. Ich arbeite derzeit an einem Buch über 20 Jahre Kolportage – nach dem Motto: „Einmal Leben und zurück“. Die Idee kam eigentlich von einer langjährigen Kundin von mir. Gesagt, getan. Ich arbeite emsig an der Realisierung. In etwa einem Jahr ist es soweit, wenn alles gut geht. Auch andere medial intensiven Dinge sind in Planung. „Alles ist möglich, nicht alles ist fix.“ Eines aber schon: Nun ist ein Film „Einmal Leben und zurück” so gut wie fertig. Wir werden darüber noch berichten.
Da wären wir eigentlich schon wieder dort, wo ich anfangs begonnen habe. Nämlich

Ohne Sie, liebe Leserin, lieber Leser, liebe Kundin, lieber Kunde, wäre gar nix, wäre ich wahrscheinlich schon unter der Erd‘!

Und da kommt noch etwas: Ich weiß gar nicht, warum ich bis heute verabsäumt habe es zu tun. War es die mangelnde Zeit, war es die Selbstverständlichkeit, mit der man einander begegnet ist – egal – ich tue es einfach jetzt. „Liebe Margit, lieber Max, Euch beiden ein Dankeschön für das Umsetzen, das Realisieren des UHUDLA. Nicht nur dass Ihr meine besten Freunde seid, sondern in gewisser Hinsicht, die Mentoren meines Lebens“.
Und an Sie alle da draußen – bis zum nächsten Treff: Merci! …und „loßt’s Euch nix g’falln!!“

Text: Walter Lohmeyer
Photo: Robert Newald

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