68er for ever

ingo-coverIngo Gärtner portraitiert eine Epoche ■  Keine Atempause. Geschichte wird gemacht, es geht voran. Der deutsche Bilderkünstler verarbeitet die Erinnerung  seiner Jugend. Willkommen im 68er Club.
Erschienen in der UHUDLA Ausgabe 106/2017

Einige bundesdeutsche KünstlerInnen haben nach vielen Jahren ihre Zweitheimat in Portugal an der Algarve schon verlassen oder sind gestorben. Ralph Peter Steitz, alias Lanrue Gittarist und Komponist von Ton Steine & Scherben, Günther Grtass und ein gewisser Udo Jürgens zählen dazu. Ganz oder zeitweise leben an der südeuropäischen Atlantikküste noch Dagmar Koller und …
…Ingo Gärtner der „Junge aus dem Ruhrpott” ist vor 14 Jahren in Lagos gelandet.

Der gelernte Psychiatrie-Krankenpfleger und diplomierte Altenheimleiter hat Deutschland den Rücken gekehrt. Im Pott war ihm die Kluft zwischen Theorie und Alltag des Berufslebens zu groß geworden. Seine Ideale als „68er Revoluzzer” sah er verraten und verkauft. Er ist ein standhafter und aufrechter „Althippi”, der nicht so leicht umfällt. Konsequenz: Tschüss mit Ü und ade Germany.
Vor ein paar Jahren hat der „Hobbykünstler” begonnen Erinnerungen seiner Jugend zu verwerten und die Epoche der Revolte zu würdigen. „In meinen Collagen verarbeite ich alles was der Strand, die Natur und der Abfall hergeben”. Sogar die leeren Dosen aus dem Billig-Biersortiment von Aldi, in Österreich Hofer genannt, sind willkommene Werkstoffe”, erzählt Ingo in seiner Werkstatt auf der Dachterrasse eines kleinen Häuschens in Lagos. Der Pensionist hat vor elf Jahren ein ehemaliges kleines Beisl die „Galeria Dali” erworben und in eine Wohnung und Werkstätte umgewandelt.

ingo_terapiaBunt gemischt und International

Nina Hagen, Punklady in beiden Deutschlands hätte die größte Freude mit Ingos Casa. Da ist alles so bunt und farbenfroh, dass besagte Rockerin vor Entzücken in Ohmacht fallen würde. (Anspielung auf Ninas Song: „Ich hab den Farbfilm vergessen”). Dutzende Bilder, Gemälde, Collagen und Mosaikarbeiten zieren die Wände. Bunte Farben, Muscheln, Steine, Sand, Spiegelscherben und eingefärbte Glassplitter sind die Materialien mit denen Ingo in kreativer und ideenreicher Weise handwerkt.
Alle Kunstwerke stehen in einem Bezug zu bestimmten Ereignissen seines Lebens. Für zwei Exponate eine Kurzbeschreibung: Rechts nebenan das Portrait eines Sohnes von Ingo. Dieser ist aktiver Gothikrock-Akteur. Unterhalb links die Terapia Bar in Lagos. Ein leider bereits geschlossener Treffpunkt der Weltoffenheit. Ich habe dort einmal am Nachmittag ein Dutzend Gäste gezählt, die neuneinhalb Nationen zuzuordnen waren. Eine US-Amerikanerin, ein Engländer, ein Australier, Franzosen, eine Schweizerin, Portugiesen, Spanier, ein Deutscher, einer aus der Ex-DDR und ich als Österreicher. Ingos Werk ist genauso bunt gemischt und international.

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Ein Gedanke zu “68er for ever

  1. […] von Afrika“ erinnert. 30 Jahre alt, mit Streep, Redford und Brandauer. Von Hannes Schlosser Ingo Gärtner; 68er for ever Geschichte wird gemacht, es geht voran. Ingo Gärtner verarbeitet die Erinnerung  seiner Jugend. […]

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